So lebten die Hordo von nun an in Angst. Auch wenn der Fremde Roduras kein zweites Mal betreten hatte, fürchteten sie sich.
Unten in Noridan begannen Kriege zu wüten, denn aus den Tiefen der Berge, aus unendlich schwarzen Spalten und undurchdringlichen Sümpfen krochen die Kinder Gohoorns hervor. Trolle, Orks und anderes Gesindel stürzten sich auf das grüne Eiland im Süden und kämpften mit bitterer Miene gegen die Schöpfung Thranduils.
Die Hordo sahen, dass selbst Thranduils Schützlinge den großen Herden nichts anhaben konnten. Init, der Gott des Feuers, Hallwar, der Gott des Handwerks und Hulth, der Gott der Gerechtigkeit taten sich zusammen, und lehrten die Elverra Waffen zu schmieden und den kalten Stahl zu gebrauchen.
So hatten die Elfen jetzt Waffen, aber keiner wusste, mit diesen Dingen umzugehen. Daher taten sich die drei Götter ein weiteres Mal zusammen und riefen Zebadians Sohn, Forn, den Gott der Herrschaft zu sich. Das Götterquartett formte aus Feuer, Stahl und Tausenden Gedanken, Nuhor, den Gott des Krieges, der die Elverra lehren sollte, Schlachten zu schlagen und Gohoorns Gesindel zurückzutreiben.
Kothnun, der dritte Sohn Zebadians, Bruder Forns und Hulths, stieg in die Höhe und sah, was seine Brüder zusammen mit Init und Hallwar taten. Er stürzte auf den Rat der Kinder des Gottes der Stärke nieder und schrie sie an: "Was tut ihr, Brüder? Wollt ihr mich verraten?"
"Selbst du kommst der Schwarzen Flut in Noridan nicht bei", entgegnete Hulth. "Das Wort Frieden verstehen die Kinder Gohoorns nicht. Sie kennen nur den Krieg und diesem ist nur mit Krieg beizukommen."
Kothnun verfluchte seine Geschwister und blickte auf Noridan nieder. Und er wusste, dass er Hulth Rechtgeben musste, auch wenn er es nicht wollte. Und noch während er über den Verrat an sich nachsann, wurde Nuhor Wirklichkeit.
Im Angesicht der Götter, die ihn schufen, brach Nuhor aus seiner Schale heraus und stieg mit ohrenbetäubendem Geschrei in den Himmel. Mit einem riesigen Schwert in der Hand und einem Panzer aus schwarzem Stahl, erschien er auf Roduras und erkannte mit dem ersten Blick seine Aufgabe. Sein Haupt war das eines Stieres und sein Leib war der eines Bären, sein Schrei jedoch, erinnerte an die Wut eines Wolfes. Nuhor, der Gott des Krieges war geboren und er sollte Gohoorn beikommen. Durch ihn sollten die Elverra lernen, Krieg zu führen und Leben zu beenden.
Die Hordo sahen Nuhor, als er über Roduras emporstieg und sie erkannten die Pläne ihrer Kinder. Ihre Verzweiflung war groß und so ließen sie geschehen, was geschah, ohne zu denken und ohne zu handeln. Schicksal erfüllte die Sphäre Roduras abermals. Handeln schien zwecklos.
Doch Nuhor brachte immer noch nicht den Sieg über das Böse, auch wenn die Zahl der dunklen Brut geringer wurde. Die Elverra waren geschickt, doch es nahm nicht jeder die Künste des Krieges an, denn einige verabscheuten eine solche Tat, die wieder jeder Moral verlief.
So riefen die Hordo all ihre Kinder zusammen, um auf Roduras zu beraten. Sie wollten die Meinung aller hören, bevor irgend einer der Hüter Fehler begeht, die nicht wieder gut zu machen sind.
So traten um die drei zerstörten Throne der Hordo alle Götter zusammen und berieten über das Schicksal der Welt. Selbst Ganalad war gekommen und drängte sich vor die Füßen der Erz-Götter. Chon blieb fern.
"So seid ihr hier zusammengekommen", begann Quinénes die Schöne zu sprechen. "Noch nie haben alle Götter" - ihr Blick fiel auf Ganalad - "eine solche Zusammenkunft berufen, wie es heute getan werden muss. Aber noch nie war die Gefahr um die Neue Welt so groß, wie sie es heute ist.
Gohoorn haust im Westen und schickt seine Horden über die Welt. Nuhor, der Jüngste unter uns, den die Kinder Zebadians erschufen, lehrte die Elverra, Krieg zu führen. Aber ihr Gemüt ist nicht das eines Kriegers. Ihr Gemüt ist das eines Künstlers, das eines Lebensakrobaten.
So habe ich euch gerufen, auf dass wir etwas beschließen wollen, um Gohoorn zu demütigen.
Die Hordo haben beschlossen, neben Thranduils Meisterwerk, dem Elverra, weitere Wesen zu schaffen, die dem Kriege beiwohnen und die Orks und ihre Anhänger zerschlagen."
Im Großen Rat ging Rumoren durch die Reihen, doch hier und da begegneten die Worte der Göttin leiser Zustimmung.
Mindraa erhob sich: "Aber die Welt wird nicht mehr die sein, die Thranduil sich wünschte." Ihre Stimme war zart und Schüchternheit überkam die Göttin der Liebe, als sie vor all den großen Herren auf Roduras sprach.
"So ist es, Mindraa", entgegnete Trestolt. "Aber Thranduil wollte auch keine Welt, die untergeht."
Zebadian, der bis jetzt ruhig vor den Trümmern seines Throns stand, erhob seinen Arm, der die Lanze des Gottvaters trug: "Thranduil lebt in uns allen und wenn es unser aller Wille ist, diese Aufgabe zu bewältigen, dann ist es auch der Wille unseres einzigen Vaters."
Die Zustimmung wurde lauter und viele der Götter waren sich mit den Hordo einig.
Ganalad war jedoch still. Er stand in der ersten Reihe und träumte zwischen seinen Geschwistern. Ihm gefiel, was seine Eltern beschlossen, aber Ganalad würde nicht feiern.
"Dann ist es beschlossen", fragte Trestolt. "Wenn noch einer das Vorhaben nicht wünscht, soll er sich jetzt erheben und sprechen."
Die Runde schwieg. Trestolt dachte, in all dem Schweigen das zufriedene Atmen seines Vaters zu vernehmen, der unter alle dem hier ruhte. Niemand sagte ein Wort.
Die Hordo setzten sich auf ihren Thron nieder und entließen ihre Kinder. Der Beschluss war gefasst. Ganalad verschwand als Letzter und schwelgte immer noch in seinem Traum, der sich in seinem Kopf ausgeprägt hatte.
So geschah es, dass jeder der Hordo Stein und Eisen nahm, Holz und Wasser und versuchte, es Thranduil gleich zu tun. Jeder der drei Geschwister hatte seine eigenen Gedanken und aus ihnen sollte etwas Neues entstehen. Die Kinder der Erz-Götter dachten mit ihren Eltern und halfen mit all ihrer Kraft, Erfüllung zu erlangen.
Trestolt, der Gott der Zeit, schuf mit seiner Geschicklichkeit die Rasse der Gnisis, die Väter der späteren Gnome. Sie waren kleine, geschickte Wesen, die die Kühle der Berge genossen und tief im Gestein nach Schätzen schürfen würden.
Trestolt kannte die Schönheiten der Berge und wollte durch sein Werk all die edlen Bilder, die er unter den Himmelssäulen Noridans sah, beschützt haben.
Quinénes, die die Freude auf der Neuen Welt vermisste, schuf die Vorfahren der Halblinge, Quesar. Sie waren ein kleines Volk voller Glückseeligkeit und später, wenn der Krieg geschlagen sein würde, sollten die Quesar die Ebenen besiedeln und mit ihrem Gefühl für die Welt Frohsinn verbreiten.
Zebadian, der den Elverra starke Hände zur Seite stellen wollte, die mit einem Schlag Gohoorns Bestien zertrümmern, schuf unter schweißtreibender Arbeit die Benori. Es waren Wesen, die ebenso klein vom Wuchs waren, aber in ihren Armen eine Kraft trugen, die keiner der weltlichen Kräfte gleich war. Ihr Geist war wild aber edel und von Nuhor gesegnet, waren sie die Meister des Krieges. Sie sollte eine Streitmacht sein und später Zwerge heißen, die die Höhlen bewohnen.