Die Sprösslinge begaben sich an den Rand Noridans und sahen, was ihr Vater geschaffen hatte. Sie erfreuten sich Jahre am Wandeln der Tiere, dem Wachsen der Pflanzen und dem steten Leben der Elverra, die im Namen Thranduils Noridan bewanderten.
Trestolt war im inneren groß und wusste, welche Belange die Welt bereisten. Einen Tag verbrachte er einst in der gleißenden Schönheit Quinénes und formte so Herdo, der das Licht beherrschte und seine Gegenseite, Tigwa, die Göttin des Dunkels und der Nacht. Von da an ward es am Morgen, wie es Trestolt nannte, hell. Herdo ließ Tigwa in einen tiefen Schlaf fallen und der Tag nahm seinen Lauf. Am Abend, wie es Trestolt nannte, erwachte Tigwa wieder und legte Herdo lieblich in Roduras nieder. Somit wurde es Nacht.
Tigwa liebte Herdo doch er verachtete sie und ihre Finsternis, bis er einst, des Nachts erwachte und ihre Schönheit im fahlen Licht seiner selbst sah. Er hatte sie zuvor nie so gesehen. Mit einer unbeschreiblichen Sorgfalt wachte sie über der schlafenden Welt, einer Mutter gleich, die ihr Kind behütet. Von da an liebte er sie und Tigwa gebar Jelot, den Gott der Sonne, Casanundra, die Göttin der Morgenröte und Lerot, den Gott des Mondes.
Seit die Zeit in den Händen Trestolts lag, verging sie schnell und unaufhaltsam aber das Land schien ewig zu sein bis zu dem Tag, als der Herr der Zeit der Schönheit Quinénes verfiel und beide einen Sohn zeugten, der die Ewigkeit verraten sollte.
Beide, Quinénes und Trestolt, wussten, dass sie sich liebten, aber solang Noridan nicht ruhte und weise Hüter es beschützten, sollte niemand diesem Verlangen nachgehen. Doch eines nachts geschah es. Zebadian, der beiden Bruder, war fern und die Liebe gewann die Kontrolle über Vernunft und Weisheit.
Ganalad hießen sie ihn, der später Yamal genannt werden wird. Er war es, der aus den Gelüsten der Zeit und der andauernden Erde entsprang und die Veränderung, die ständig vonstatten ging, zu einem Ende führen wollte. Mit List und Tücke schlich sich Ganalad bei Nacht unter dem unwissenden Schutz Tigwas nach Noridan hinab und brachte Splitter seines Herzens, das dunkel und träge in seiner Brust schlug mit sich. Jedem Wesen pflanzte er einen dieser Splitter in die Brust, um sie sterblich zu machen. Vor den Elverra jedoch, die Thranduils Kinder waren und leise schliefen, wich Ganalad zurück, denn ihm war nicht vergönnt sie zu besudeln. Unzufrieden, aber doch gestillt, kehrte er im Morgengrauen nach Roduras zurück und Casanundra, die Göttin der Morgenröte sah, wie er aus Noridan wiederkehrte. Keiner wusste, was er dort tat, Ganalad, der Gott des Todes, aber er kam auf die Welt, um sie zu verletzten, auf ewig, das sie immer wieder starb.
Am Tag darauf sahen die Erz-Götter, was geschehen war und Casanundra berichtete ihnen über ihre Beobachtung. Die Tiere und Pflanzen begannen zu altern, zu welken und schließlich, nach kurzer Zeit zu sterben, dahinzugehen und nicht wiederzukehren.
Ganalad, der Gott, der den Tod brachte, wurde auf das Böseste beschimpft und von den Erz-Göttern in die Tiefen Roduras verbannt, wo kein Licht mehr hinfiel und keine Stimme mehr sang.
Zebadian verfluchte seine Geschwister und nannte sie töricht, da ihr Vergehen nicht wieder zu bereinigen war. Von nun an starb die Welt und Zebadian sah seinen Schrei seiner Geburt, die Welt durch Stärke zu vereinigen, verklingen. Wie sollte Stärke herrschen, wenn sie durch Tod so schnell verging. Aus Furcht vor dem Versagen tat er es seinem Bruder Trestolt gleich und formte sich Hüter für die Welt, die das Schicksal, das schon festgeschrieben schien, abwenden sollten. Er suchte nach Lösungen und versuchte sich an vielen Formen und Gedanken. Erschöpfung legte sich auf seine Glieder und er spürte, wie sich Thranduil gefühlt haben musste, als er Noridan erschuf.
Trestolt nahm seine Schwester in Schutz, denn Zebadian hob seine Faust und in seinen Augen brannte der Zorn, da er wütend war und sich nicht beruhigen konnte. Als er fortging, um über das Geschehene nachzusinnen, lag Quinénes da, in ihre eigenen Tränen gebettet. Die einst so stolze Göttin der Erde lag in den Armen der Zeit und weinte. Trestolt, der nicht wiederstehen konnte, hob sie auf und redete ihr zu und unter der Trauer der Geschwister gebar Quinènes Digo, ein Kind, gefüllt mit Verstand und Vernunft und dessen Schwester Ardrivis, die erkoren wurde um die Natur, wie sie nun dahin starb, zu behüten und zu halten.
Digo, wurde von Trestolt und Quinénes mit allem gelehrt, was sie wussten und er erkannte, was richtig und falsch war, was die Worte Wahrheit und Lüge bedeuteten. Er trug in sich eine Weisheit, die unerschütterlich und fest war und diese verbreitete er auf der Welt zum Schutze vor ihr selbst.
Ardrivis wurde von ihrer Mutter erzogen. Quinénes lehrte ihrem Kind alles, was sie über die Natur und ihre Irrwege wusste, die diese, nun sterbend, beschritt. Mit aller Hingabe und ihrem ganzen göttlichen Dasein sollte Ardrivis den Weg finden, Ganalads Untat etwas entgegen zusetzten, dem Tod und dem Schwund von Gewürm und anderem Getier, sowie dem Sterben der Pflanzen überall in Noridan ins Angesicht zu sehen und ihn unwichtig erscheinen zu lassen.
Nun begab es sich, dass Zebadian, der derweilen unermüdlich arbeitete, langsam Kraft verlor. Auf Noridan begann es zu regnen. Doch nicht der süße Regen, der immer wieder den Wald erfrischte, ging vom Himmel nieder. Es waren Tropfen der Anstrengung Zebadians, der in seiner Aufruhr Hüter formte. Nicht alle seiner Schöpfungen waren nach seinem Bilde und viele zerschlug er wieder. Mit Frieden, Herrschaft und Gerechtigkeit versuchte er der Lage Herr zu werden, doch es gelang ihm nicht, das Sterben in Noridan zu beenden. So entstanden unter seiner starken Hand, die von Thranduil mit Geschick gepriesen war, Hulth, Gott der Gerechtigkeit, Kothnun, Gott des Friedens und Forn, Gott der Herrschaft. Sie alle zusammen vermochten jedoch nicht das zu ändern, was Ganalad, der erste Sohn der Geschwister Zebadians, verrichtet hatte. Zwar brachten seine Schöpfungen der Welt Gutes, aber sie gaben ihr nicht die Ewigkeit zurück.
Splitter fielen vom Himmel, als der Hüter der Stärke seine Söhne und Töchter schmiedete. Die Funken seiner Arbeit brachen tief in die Lande ein und wühlten sie auf. Quinénes war voller Zorn über die Rücksichtslosigkeit ihres Bruders und tadelte ihn, das er von seinem Vorhaben abließe. So vergaß er über die Zeit des Sterbens seine Wut und gehorchte Quinénes ohne Wiederwillen. Gebannt von ihrer allgegenwärtigen Schönheit, die ihm am Ende seiner erfolglosen Arbeit zuteil wurde, verließ er die Schmiede auf Roduras und gesellte sich neben seiner Schwester auf seinen eigenen Thron.
Dort saßen sie nun und weinten, droben, über der sterbenden Welt.
Die Elverra riefen plötzlich in die Welt hinaus, dass sie nicht ewig sein wollen, wenn alles um sie herum verstarb. Sie wussten nicht, dass sie gehört wurden. Derer, die ewig sind, ist es ein schweres Los, alles an sich vorbei leben zu sehen. Weisheit bringt die Ewigkeit, aber es ist keine Freude unter den Erben des Immerwährenden und viele gingen dem Wort Thranduils nach und bereisten das Meer im Norden. Einige kamen in Roduras an doch viele starben in der tobenden See.
Trestolt beschloss, als er ein Klagelied singend, auf seinem Thron in Roduras saß, Ganalad aus seiner Verbannung zu holen und einen Rat einzuberufen, um der Welt ein Schicksal zu geben, derer sie würdig ist. Quinénes stimmte dem weisen Trestolt zu aber Zebadian war anderer Meinung. Er würde mit der Lanze Thranduils den Verdammten unten in seiner Höhle erschlagen und so auf ein Ende des Sterbens hoffen.
Die Hordo befürchteten jedoch, dass nur durch Ganalad eine Lösung gefunden werden würde.
So holten Quinénes und Trestolt ihren Sohn aus den Tiefen Roduras und als sie ihn packten, sahen sie in der Höhle, in der er wartete, Schatten, die schnell verschwanden und nicht gefunden werden konnten. Ganalad verriet nicht, welche Saat in seiner Obhut unter der Hülle Thranduils entstanden war. Er gehorchte dem Wunsch seiner Eltern und verließ sein Reich. Ganalad sprach wenig und die Fragen seiner Eltern beantwortete er spärlich. Als er merkte, was er unten auf der Welt getan hatte und das Grauen betrachtete, schien ein Funke Reue in seinen Augen zu erwachen und sein Gesicht zeigte vielleicht etwas Scham und er sprach:
"Da ich euer Sohn bin, ihr Hordo, die ihr hier vor mir klagt, kann ich nur sagen, zeugt eine Tochter voller Stärke, mit Liebe zur Welt und zu ihren Kindern. Die Zeit darf der Tochter nicht inne sein, denn sie darf nicht verstehen, was Vergänglichkeit bedeutet und aus ihrem Wissen heraus, retten, was ich zerstört habe."
Trestolt brauste auf und blickte Ganalad an, der mit seinem Blick an Zebadian festhielt. Der Gott der Stärke spürte den haftenden Blick und konnte ihm nicht weichen, denn er verlangte seit einigen Zyklen nach etwas, was Ganalad schon längst erraten hatte. Die Schönheit Quinénes ging auch an dem Gott der Stärke nicht vorüber.
Trestolt stürzte vor Eifersucht auf Zebadian nieder und wieder entfachte ein Streit, wie er in den Anfängen der Tage schon einmal wütete. Der Weiseste der Hordo ahnte sein Leid. In Noridan bebte die Erde und hohe Wellen traten von Norden in das Land hinein. Trestolt wollte seine Gemahlin, als die er Quinénes schon lange beschaute, nicht in die Hände des stursten aller Götter geben. Doch nur zeitlose Stärke geeinigt mit der Erde der Neuen Welt konnte das Sterben beenden. So sprach es Ganalad aus.