Als Raum und Zeit noch nicht geboren waren und in der einzigen Leere nur ein leises Lied gedankenloser Stille schwebte, entschloss sich Thranduil, der Immerwährende, der seit dem Auftakt der Stille verweilte, etwas zu schaffen, deren er sich erfreuen konnte. Das gedankenlose Lied, das sein Geist sang, so lieblich es klang, schien einsam zu sein. So tat er, der Immerwährende, sich auf. Mit Hingabe erdachte er sich, weise im Kopf, stur in der Faust und stolz in der Brust, einen Raum von großer Weite und eine Zeit, die leise und langsam, einer Träne gleich, dahinrann. Er formte mit seinen Gedanken und seinen Händen die Welt, wie sie für ihn sein sollte und setzte sie in den Raum.
In fünf Zyklen der Welten erdachte er sie sich, wie sie seiner am liebsten war und er schuf im ersten der Zyklen Noridan, das Land allen Seins - ein feuriger Berg aus unzähligen Gedanken des Gottvaters in ein ewiges, nebliges Licht getaucht. Der Schöpfer betrachtete seinen Schatz und erfreute sich an ihm. Das einsame Lied hatte Formen angenommen und Thranduil konnte sehen, wie die Melodie um seine Schöpfung kreiste.
Im zweiten Zyklus formte Thranduil Berge und Täler - große Erhebungen und tiefe Senken im neu erschaffenen Land. Er füllte die Welt mit Wasser und gab den weiten, tobenden Fluten den Namen Meer. Das Meer umspülte Noridan einem lebenden Mantel gleich. Nun erhoben sich Spitzen aus kaltem Stein aus einer kalten, blauen Flut und die Spitzen, die der Immerwährende, Inseln nannte, fielen hinab in tiefe Gräben, Gräben der See, in denen das Lied vor Einsamkeit verstummte.
Täler und Berge formten große Gestade aus grauem, blanken Stein und weite Ebenen erstreckten sich hinter ihnen, bis das Meer mit seinen unzähligen Inseln den Fels bedeckte.
Im dritten Zyklus der Welten, schuf Thranduil die Pflanzen. Grüne, wachsende Ranken, getränkt vom Wasser der Meere und erfreut von dem Licht des Tages machten die Welt für ihn zur Oase. Sie bedeckten Noridan und es ward grün in den Tälern. Dort wo das Grün mit neuen Farben spross, worden die Täler Gärten Noridans genannt und Thranduil pflegte sie ganz nach seinem Willen.
Er verfiel dem Duft der Blumen und den Farben seines Schaffens und schwärmte, als er über allem hinwegschwebte. Seine Welt wurde lebendig.
Im Zyklus Vier erweckte der Immerwährende aus dem Stein der Berge und dem Grün der Pflanzen etwas Neues. Er fühlte, dass Noridan unzähmbarer werden musste, um in der großen Zeit zu bestehen. In vielen Formen kroch es seit jeher über die kalte Erde und durch die grünen Wälder. Tiere wurden die Wesen getauft, derer sich Thranduil am meisten erfreute. Er machte sie aus den Früchten der Pflanzen und dem Stein der Berge, um ihnen das einzuverleiben, was sie auf ewig sein sollten. Sie, die Tiere, nahmen die Pflanzen zum Leben und waren friedlich und hausten in Noridan ohne Scheu und ohne Angst.
Lange Zeit erfreute sich der Schöpfer der Welt an seinem Werk und sah wie sich alles entwickelte. Die Bäume kletterten bis weit hinauf in die Gipfel, wo Regen, niederstürzendes Wasser vom Himmel, kalt wurde und silberne Sterne formte - Schnee. Doch es fehlte ihm an Weisheit auf der Welt. Noridan war starr und ohne Gedanken. Und Thranduil liebte Gedanken. Entstand Noridan doch aus ihnen. Es lebte alles einfach dahin. Die Tiere krochen die Berge empor und die Pflanzen kletterten tief in die Täler hinab. Sogar im Meer ließen sich Pflanzen und Tier nieder, auf das es ihnen dort besser ginge als an den festen Gestaden, dem Land. Aber keines der Tiere und kein grüner Zweig waren weise und klug wie er, der Schöpfer selbst, und erfreuten sich, wie er, an allem, was war. Des Immerwährenden eigenes Bild gab es in Noridan nicht.
Somit beschloss Thranduil sein Bild in einem Wesen wiederzugeben, dessen Denken Teil seines Geistes ist. Das eine Wesen, welches Wissen und Weisheit auf Noridan verbreiten sollte, musste Thranduil glücklich machen, denn er war schwach geworden. In langen Gedankenstunden und großen Taten brachte er aus den Steinen, dem Wasser, den Pflanzen, dem Getier und gar dem Licht und dem Dunkel ein Wesen seiner würdig hervor. Es hatte alles von Noridan im Blut. Doch sein Fleisch war zeitlos denn die Zeit tat er ihm nicht inne. Zeitlos wie er selbst sollte es wandeln. Es sollte die Welt führen und sie behüten. Zart im Bild und weise durch Taten sollte es sein und ewig sollte es leben.
Das Werk verlangte ihm alle Kraft in Kopf, Faust und Brust ab und brachte Thranduil zu Fall, als er den Elverra, wie er die Schöpfung nannte, zu vielen in seinen Händen hielt. Auf den Knien, in der Neuen Welt niedergesunken, wo nur schweigende Pflanzen und stille Tiere sein Antlitz das einzige Mal seit jeher sahen, setzte er sein wahres Schaffen nieder. Noch schlafend wurde der Elverra auf der Welt verteilt, um sie zu behüten. Die Berge, die Wälder, die Höhlen der Welt, die wilden Ebenen und gar die tobenden Wasser wurden von ihm besiedelt, denn alles sollte bewahrt sein. Mit letzter Kraft und mit dem Wissen, seinen Willen auf Noridan niedergesetzt zu haben, bevor er aus der Zeit scheidet, flüsterte der Immerwährende dem Schützling ein, er solle fliehen, wenn die Säulen der Welt zerbrechen. Wenn ihr Wesen nach Frieden und Ruhe verlangt, sollten sie die Meere nach Norden bereisen. Dort werden sie auf ein Land treffen, das vertraut scheint, auch wenn sie es nie zuvor erblickten. Ein Land von allem im Nichts, wo sie sicher sind und auf Noridan nieder blicken können.
Auf die schlafenden Elverra herabschauend und sein vollkommenes Werk begreifend, stieg Thranduil der Immerwährende in den Himmel auf und zog weit nach Norden, wo kein Fels mehr die wütende See zerbrach. Das Land Noridan weit hinter sich gelassen, verließen ihn seine Kräfte und er ging hernieder über den zusammenschlagenden Wellen und das ewige Lied seiner Herrschaft verklang. Die Zeit gefror.
Er versank nicht, sondern ruhte sanft auf dem Meer. Es trug ihn und hielt ihn dort, wo er fiel. Denn er wollte es selbst sein, Roduras, die Welt jenseits Noridans - die Zuflucht im Norden. Er war Roduras und dies ist einzig und allein Zeuge von allem Anfang.
Als er jedoch niederging und seine Ruhe begann, taten sich sein Kopf, seine Brust und die Faust auf und ein stiller Schrei ließ die Festen der Welt weinen. Mit einem roten Schweif stiegen Sprösslinge aus ihm hervor. Es waren Kinder seinesgleichen, die sogleich wuchsen und sich auf ihrem Vater, Thranduil dem Immerwährenden, niederließen. Sie selbst nannten sich die Hordo, die Erz-Götter, Sprösslinge ihres Urgottes, Kinder des Gottvaters und Träger Noridans.
Mit Namen riefen sie sich. Trestolt war der Sprössling, welcher Thranduil aus dem Kopf stieg. Getragen von Schwingen der Weisheit und mit der Voraussicht über das Kommende, sollte er der Gott der Zeit sein. Dort, in Roduras sprach er das erste Wort und wies die Zeit an, erneut zu schwinden und immerfort zu laufen, nie zu schlafen und ewig, ohne Ende zu verrinnen.
Quinénes, die Schöne entsprang dem Stolz Thranduils, der in seiner Brust ruhte. Schön vom Antlitz her und hoch gewachsen, ritt sie auf einem Pegasus, geformt von Wolken und getragen von den Schwingen des Stolzes. Sie war dem Wesen Thranduils entsprungen, das sich immerfort nach der Welt, nach Noridan sehnte. Sie, Quinénes, war die Göttin der Erde, die Manifestation der Welt, eine Blume, die in all ihrer Schönheit blühte. Sie war Hüterin über Pflanzen und Tiere, über Wetter und Wachstum und über die Bewegung von allem.
Aus der Faust des Schöpfers stieg, größer als alle folgenden Kinder, Zebadian, der Herr der Kraft und der Gott der Stärke. Von ihm lernte die Welt Kraft und Macht zu beherbergen. Auf zwei starken Beinen gehend und mit einem starken Arm die Lanze Thranduils, Kisthada, die lang in dessen Faust ruhte, tragend, stieg er in den Himmel empor und schrie in die Welt, das sie die Zeit bestehe.
"Ewig wird die Zeit andauern und ewig soll Noridan sein", rief Trestolt zu ihm hinauf. "Doch es wird schwinden und anschwellen, dieses neue Land. Die Zeit wird es ändern und andere werden kommen, unsere Kinder, die es leid sind, es zu tragen." Der Gott der Zeit besang Roduras, seinen Vater mit leiser Stimme.
"Dann sollen sie kommen und ich werde sie zerschlagen, denn ich bin Zebadian, Erbe Thranduils, des Immerwährenden und dulde nur die, die behüten, was ihnen geschenkt wurde", erwiderte der Gott der Stärke mit lautem Getöse. Seine Worte streiften die Wellen und fuhren hinab in die Tiefe und hinüber nach Noridan und die Elverra erwachten durch den Ruf des Gottes. Sie verstanden nicht, was er sagte und traten langsam in die warme Welt hinein, während fernab die Hüter, von denen sie lang nichts wussten, zu streiten begannen.
Quinénes, die Schöne entschloss den Streit der beiden Brüder zu schlichten, denn Thranduil, sagte sie, hätte nicht gewollt, die Herrschaft so zu beginnen.