Finara, das in der alten Sprache der Welt, die heilbringende Schöne bedeutet, ist eine der hohen Göttinnen, deren Eltern zwei Hordo, die Erzgötter selbst sind. Sie ist die Tochter der liebreizenden Quinnenes und des starken, aufbrausenden Zebadian. Es scheint ironisch, dass die Göttin von Fruchtbarkeit und Geburt, die auch von vielen als die Göttin der Liebe angesehen wird, zweckgebunden in das Götterreich Roduras gelangt ist. Ihre Erschaffung war kein Akt der Liebe zwischen Zebadian und Quinnenes. Finara hatte nur einen Zweck. Sie ward geboren, um einem anderen neuen Gott, Ganalad, dem Gott des Todes entgegenzutreten.
Finara besitzt die Eigenschaften ihrer beiden Eltern. Sie ist freundlich, barmherzig, liebreizend wie ihre Mutter, aber auch aufbrausend, chaotisch, eitel und manchmal kriegerisch, wie der Gott der Stärke.
Finara repräsentiert die Fruchtbarkeit und die Sexualität aller empfindsamen Wesen. Sie steht für die neuen Generationen auf Noridan. Sie verkörpert die Geburt von Kindern und ihren Schutz, ihre Ernährung und Erziehung. Die hohe Göttin verachtet den Tod, da sie vom Schicksal her seine Gegenspielerin ist.
Die Anhänger Finaras leben im Glauben an den Polytheismus. Sie akzeptieren die Herrschaft anderer Götter, agieren mit anderen Glaubenseinrichtungen und bekämpfen Gläubige verfeindeter Götter. Zwar erachten die Finara-Priesterinnen ihre Herrin als den einzig wahren Weg für eine Frau, akzeptieren jedoch die Entscheidungen anderer empfindsamer Wesen, ande-ren Göttern zu folgen.
Finara ist eine weltfremde Göttin, allerdings sieht die Priesterschaft in jeder Geburt und jedem Kind die Manifestation ihrer heiligen Königin und ihren Willen, an dieser Welt teilzuhaben.
"Mutters Fibel", die Heilige Schrift des finaristischen Glaubens, ist Religionsbuch, Wegweiser der Erziehung und Ratgeber der Frauengesellschaft in einem. Es ist die einzige Schrift, auf die sich die Anhänger der Finara verlassen, da beinahe jedes andere Buch durch die Hand eines Mannes geschrieben oder zumindest berührt wurde. Die Fibel wurde von noch keinem männlichen Auge gesehen und gilt daher als reinster und wertvollster Foliant Noridans, unbefleckt von Zorn, Rache, Hass und Gier.
Die Priester Finaras glauben nicht an die Wiedergeburt. Dem Glauben nach erscheint Finara in der Gestalt eines jeden Kindes auf der Welt und schenkt Noridan damit ein Quäntchen Hoffnung. Die Kinder, die den Weg zu der Göttin finden, sind von ihr dazu auserkoren, neue Hoffnung in die Welt zu bringen und spätere Säuglinge zu schützen. Der Tod ist eine traurige Fügung, derer die Göttin der Fruchtbarkeit zwar entgegengesetzt wurde, sie aber nicht aufhalten kann. Aber für jede Prieste-rin, die dem Tod dadurch widerstanden hat, indem sie für Finara die Fruchtbarkeit auf der Welt verbreitete und Kinder gebo-ren, beschützt und erzogen hat, hält die Herrin ein Reich aus Silber und Federn bereit, in denen jede Priesterin ob ihrer Taten in alle Ewigkeit gerühmt und belohnt wird.
Das Ende der Welt, heißt es in "Mutters Fibel", ist jenes, da Trestolt, Gott der Zeit und Finaras Onkel, ein letztes Mal ein-schläft und die Zeit damit einfriert. Genau so war es, als die Göttin der Fruchtbarkeit gezeugt wurde und genau so wird auch sein, wenn ihre und die Herrschaft aller anderen Götter endet. Wer bis dahin im Namen Finaras Fruchtbarkeit und Geburt gepredigt oder gepriesen hat, wird ins Reich der Herrin Finara aufgestiegen sein und brauche nichts zu fürchten.
Pflichten der Priestergemeinschaft
Das Zeichen der Göttin der Fruchtbarkeit und Geburt ist die Wiege. Nur Frauen können Priester Finaras werden.
Die Priester der Göttin sind für die Fruchtbarkeit aller empfindsamen Wesen verantwortlich und halten daher zahlreiche Zeremonien ab, die der Welt die Fruchtbarkeit erhalten und Paaren, die sich Kinder wünschen, ihren Segen geben. Die Pries-ter Finaras dürfen vom 16. Lebensjahr an nicht mehr keusch leben und sind im Laufe ihres Lebens dazu verpflichtet, sieben Kinder zu gebären.
Die Kinder der Kirchenpriester werden im Tempel aufgezogen. Sind diese Kinder Frauen, werden sie in jedem Fall zu Pries-terinnen Finaras ausgebildet. Sind es Jungen, werden diese bis zum achten Lebensjahr gut und umfangreich erzogen, im Glauben an die Göttin geprägt aber nicht an ihn gebunden. In jenen acht Jahren werden sie auch auf ihren späteren Weg vorbereitet und sie werden dazu ermutigt, den Tempel dereinst mit ihrem 18. und ihrem 20. Lebensjahr zu besuchen, um mit einer Finara-Priesterin jeweils ein Kind zu zeugen. Nach acht Jahren nimmt zumeinst ein vom Tempel bestimmtes Elternpaar das Kind in seine Obhut und zieht es weiter auf.
Die Priester der Göttin der Geburt dienen als Heilsprecher vor Zeugungen und als Hebammen. Sie sind Mediziner, Heiler und Kräuterkundige. Ob dem Schutzgedanken gegenüber ihren Kindern, sind die Priester der Herrin allerdings auch bestrebt, mächtige Kampfzauber zu erbeten, um die Sicherheit ihrer Schützlinge gewährleisten zu können. Für solche Wünsche gibt es bei den Anhängern Finaras eine spezielle Kriegerkaste aus Priesterfrauen, die entgegen den eigentlichen Bestimmungen Waffen (Speer, Stangenwaffen) und Lederrüstungen verwenden können. Jene gutausgebildeten Frauen werden Mänaden genannt.
Einmal pro Halbjahr halten die Priesterinnen Finaras ein Fest namens Leibweihe ab. Jeweils zu Frühlings- bzw. Herbstanfang versammeln sich die Frauen eines Tempels an einem Gewässer (See, Meer usw.), um unbekleidet eine Feier aus Speisung, Lobgesang, Heilbädern und Gebeten abzuhalten. Damit zeigen sie der Herrin ihre Treue und preisen die Gabe Finaras, Kin-der gebären zu können und damit ihren Glauben zu verwirklichen.
Die Finarapriesterinnen halten Wachsamkeit vor allem gegenüber den Priestern des Todes, aber auch gegenüber Wesen, deren Natur das Dieben von Babys ist, wie Dunkelelfen, Nachtgeistern usw.
Der Weiße Stab mit Widdergeweih, der so genannte Kularn, ist das heilige Symbol der Göttin der Fruchtbarkeit. Der Widder gilt unter den Anhängern als heiliges Tier und als Zeichen für die Fruchtbarkeit. Die Jagd auf ihn ist strikt untersagt und wird mit dem Tod bestraft. Die schwarze Hellebarde ist die heilige Waffe der Mänaden. Sie stellt die verborgene Kraft Finaras dar, die die Göttin von ihrem Vater, Zebadian erhalten hat.